Das "Tristar"-Abenteuer
    
Berni Müller, 04/10/2006
   
 
Vorwort: Der Verfasser dieses Berichts ist ein absoluter TriStar Enthusiast und Fanatiker. ;-) Die L1011 TriStar des Flugzeugherstellers Lockheed hatte ihren Erstflug im November 1970 und sollte der DC-10 des Herstellers McDonnell Douglas die Stirn bieten, was ihr aber leider nicht ganz gelang. Gebaut wurde diese Maschine in den Varianten L-1011-1, L1011-100, L-1011-200 und L-1011-500. Letztere Variante ist um über vier Meter kürzer und hat die größte Reichweite. Nach 250 Flugzeugen wurde 1983 die Produktion eingestellt. Aktuell (Okt.2006) fliegen meines Wissens noch 38 aktive TriStar´s weltweit. Aber diese Zahl ändert sich öfters, weil welche außer Dienst gestellt werden und wieder welche bei neuen, mehr oder weniger seriösen Gesellschaften den Dienst aufnehmen. Fakt ist jedenfalls, dass man in Europa nur noch sehr wenige im Passagiereinsatz stehende TriStar´s zu Gesicht bekommt, weil die meisten Betreiber auf der sogenannten „schwarzen Liste“ der EU stehen und somit Einflugverbot haben. In Europa sind noch zwei TriStar´s im Passagiereinsatz. Dies wären die L-1011-500 der Euro Atlantic (CS-TEB) und die L1011-500 (CS-TMP) der Luzair. Beide Gesellschaften sind in Lissabon beheimatet und führen Ad-hoc und Subcharter Flüge durch. Dann fliegen noch einige TriStar´s für die Royal Air Force in England als Tanker und sind in Brize Norton stationiert.
 

Nun aber zur eigentlichen Geschichte: Es war der Abend des 02. Mai 2005. Ich hatte Feierabend und weil es ein schöner Tag war, habe ich die letzten Sonnenstrahlen noch draußen ausgenutzt. Da flogen die Flying Bulls in Formation mit der DC-6, der B-25 und der T-28 Trojan genau über meinen Heimatort Feldkirchen. Ein super Anblick und Geräusch. So etwas sieht man ja auch nicht zu oft. Dann wurde es langsam finster und ich begab mich vor meinen PC. Neben dem Checken meiner Mails durchstöberte ich auch auf den verschiedenen Bilderdatenbanken aktuelle Bilder aus Amsterdam, weil dorthin auch mal eine Spottertour geplant war.

Und was musste ich da sehen? Am Vortag (01. Mai) waren gleich drei verschiedene TriStar´s in Amsterdam die im Subcharter für Onur Air flogen. Wahnsinn! Drei TriStar´s auf einmal am selben Tag! Das war mehr wie selten im Jahr 2005 und einem TriStar Fanatiker wie mir konnte es da schon schlecht werden... ;-) Auch der seltenst in Europa anzutreffende TriStar der Star Air (zugelassen auf Sierra Leone mit der Registration 9L-LDN) war dabei. Ein Albtraum – dieses Ding so „nah“ und doch so fern.... Ich schickte die Links der Bilder an meine Spotterfreunde weil das eben ja so ungewöhnlich war....  Es war 20:23 Uhr....
 


Kurz nach der Ankunft in Salzburg


Das Rolls Royce RB211-22B-02 Triebwerk


Cockpit der 9L-LDN

Dann kam der Hammer schlechthin und wenn man das vorherige gelesen hat, erscheinen die folgenden Zeilen nicht glaubwürdig, aber es stimmt.... Es war 20:44Uhr und mein Spotterfreund Stephan Weidenhiller rief mich an mit den Worten: „Hallo Berni – was ich Dir nun sage ist kein Witz! Es befindet sich der Star Air TriStar 9L-LDN im Anflug auf Salzburg – Ankunftszeit 20:52 Uhr!!!“ Ich lachte ich ihn aus und wollte es nicht glauben.... Doch er wiederholte seine Info, diesmal mit sehr eindringlicher Stimme und sagte: „Es stimmt wirklich Berni und er soll auch zumindest heute Nacht stehen bleiben in Salzburg!!!“ Mein Puls ging auf ca. 150 hinauf schätze ich.... Ich sagte Danke für die Info und legte noch immer etwas ungläubig auf.

20:52 Uhr Ankunftszeit sagte Stephan – es war nun schon 20:48 Uhr, also absolut keine Chance noch zum Airport zu fahren um den TriStar noch bei der Landung zu erwischen. Daher habe ich dann gleich Ausschau von meinem Zimmer gehalten. Zum Glück sehe ich von zu Hause sehr schön die anfliegenden Flugzeuge auf Salzburg. (ca. 6km Luftlinie) Es war nun 20:52 Uhr, doch kein TriStar war zu sehen... Doch dann wurde es 20:58 Uhr.... Ich sah im Halbdunkel des Abendhimmels zuerst die typischen Lichter und dann kurze Zeit später auch den TriStar in seiner vollen Pracht wie er mit dem typisch steilen Anstellwinkel auf Runway 16 einschwebte. Ich konnte es gar nicht glauben und musste es erst realisieren was da gerade geschah... Es besuchte nochmals ein TriStar Salzburg, was eigentlich keiner mehr für möglich gehalten hätte.

Dann aber los...!!! Meinen Koffer mit der darin stets immer einsatzbereiten Foto- und Videoausrüstung geschnappt, auch das Stativ wegen der Nachtaufnahmen und dann nix wie rein in mein Auto und ab Richtung Airport! Dort angekommen, die Treppen zur Besucherterrasse (Fotoposition 1) hinaufgestürmt und dann war der Moment gekommen auf den ich über fünf Jahre lang gewartet hatte: Ich sah wieder einen TriStar – noch dazu einen der Variante -100 in Salzburg! Ein Spottertraum was da auf der Abstellposition W1 stand...
 
Zuerst musste ich ihn mir natürlich mit beiden Augen (also nicht nur mit einem Auge durch den Sucher der Kamera) genau ansehen. Ein wahre Augenweide und ich glaube ich war zu diesem Moment der glücklichste Spotter der Welt... Dann machte ich mich aber ans Werk, stellte mein Stativ auf und machte Nachtaufnahmen, weil es war ja mittlerweile komplett finster. Freudig schaute ich mir ihn dann noch mal lange an und danach fuhr ich mehr als zufrieden heimwärts.
 
 

 Am nächsten Tag - ich hatte gerade Mittagspause - schaute ich natürlich sofort in die Webcam des Salzburg Airport um „meinen“ TriStar zu sehen. Da sah ich mit Entsetzen, dass er gerade zurückgepusht wurde! Schreck lass nach, dachte ich mir! Sollte er etwa schon wieder abfliegen?? Aber es stellte sich heraus, dass er nur an den Ostrand des Vorfeldes verlegt wurde um die W1 wieder frei zu machen.
 
Nun begann sich jeder natürlich zu fragen, was der mysteriöse „Besuch“ des TriStar´s auf sich hatte. Selbst der Flughafen erfuhr am 02. Mai erst relativ kurze Zeit vor der Landung, dass er nach Salzburg kommt!! Es kamen dann nun die verschiedensten Varianten, Gerüchte, Spekulationen etc. auf. Es wurde nie ganz genau bekannt, was wirklich geplant war mit dem Flugzeug und es wäre unseriös von mir nun die Spekulationen, Mutmaßungen etc. aufzuzählen. Mir war das damals ja auch alles fast egal – es war mir nur wichtig wieder einen TriStar in Salzburg zu haben! ;-)
 
Am Nachmittag des 04. Mai beriet ich mich mit meinem Spotterfreund Martin Hackl aus Stephanskirchen (bei Rosenheim), wie wir den den TriStar weiters auf Fotos festhalten können. Am 05. Mai in der Früh flogen Martin, ich und einige andere unserer Spottergruppe nach Stansted, Shannon und Dublin. Ob da der TriStar aber noch dastand wenn wir wiederkommen? Es wurde daher beschlossen, den TriStar gleich auch noch als Nachtaufnahme von der Spotterposition am Ostrand (wo er ja jetzt abgestellt war) in den Kasten zu bekommen. Sicher ist sicher... So schlichen dann also gegen 21:45 Uhr zwei Spotter – „bewaffnet“ mit zwei Canon EOS 20D und Stativen dorthin. Wir machten dann super Nachtaufnahmen des TriStar´s der nun auch einen Zusatzaufkleber „operated by BFS“ bekommen hatte.

 
Am nächsten Morgen nach dem Einchecken für den Flug Salzburg – London Stansted begab sich die Spottertruppe die gleich Salzburg verlassen sollte, noch mal an die Spotterposition 2 um „Abschied“ vom TriStar zu nehmen. Dann flogen wir nach Stansted und einige Stunden später nach Shannon. Den Vormittag des 06. Mai spotteten wir in Shannon. Und dann gab mir mein Spotterfreund Alexander Bruckbauer einen Stoß und rief: „Berni!!! Schau mal was da kommt!!!“ Ich konnte es nicht glauben was ich da sah.... Da kam doch glatt die L1011-100 der American Trans Air und noch dazu die N194AT mit der Retro-Bemalung!! Der Hammer schlechthin!! Acht komplett wild gewordene Spotter drückten ab, was die Auslöser der Kameras hergaben.... Wahnsinn.. Da wartet man fünf Jahre um einen TriStar zu sehen und dann bekommt man innerhalb von drei Tagen gleich zwei der seltenen –100 „geliefert“!
 
Als wir dann am Abend des  08. Mai wieder nach Salzburg zurückkamen von unserer Spotterreise, gingen gleich nachdem wir aufgesetzt haben die bangen Blicke durch die Fenster der Maschine, ob denn „unser“ TriStar noch da war. Ja! Er war noch da! So stand der TriStar nun für 10 Wochen am Ostrand des Vorfeldes und sah von Zeit zu Zeit immer wieder anders aus. (Die Star Air Titel wurden entfernt, die Star Air Sterne im Leitwerk auch etc.) Und dann kam der späte Nachmittag des 14. Juli 2005...
 
 

Nachtaufnahme am Ostrand – „operated by BFS“
Aufkleber ist angebracht

Der TriStar –
aus jedem Winkel ein tolles Flugzeug!

14.05.: Der Star Air Titel ist entfernt
 
 
 
Es war gegen 17:15 Uhr und ich war gerade noch mit der Wartung der Hauptmaschine in meinem Sägewerk beschäftigt. Ich hatte kein Handy muss ich anmerken. Da kam plötzlich der Tobias (ein Junge aus der Nachbarschaft) angestürmt und sagte, dass Stephan angerufen hätte bei ihnen, weil er bei mir zu Hause keinen erreicht. Er soll mir jedenfalls vom Stephan so schnell es geht ausrichten, dass der „Dreisar“ (er sprach es so aus), bald abfliegt und die Besatzung schon vor Ort ist.... SCHOCK!!! Also schnell bedankt für die Info – raus aus dem Betrieb - einfach nur nix wie nach Hause (das ist der Vorteil wenn man sein eigener Chef ist...) und den Koffer mit der Fotoausrüstung gepackt. Da rief mich mein Spotterfreund Alex Bruckbauer an, der schon am Airport war und teilte mir mit, dass das APU schon läuft... SCHLUCK! Also nix wie rein in mein Auto und ab Richtung Airport! Es war meine schnellste „Einsatzfahrt“ zum Airport... Details zu der Fahrt brauche ich dann wohl nicht mehr näher erwähnen... ;-)
 
 
 

Als ich mein Auto abgestellt hatte und das APU, wie von Alex schon beschrieben, hörte, rannte ich mit der siebenstufigen Leiter in der linken Hand und dem Koffer in der rechten Hand vom Parkplatz so schnell es ging zur Spotterposition 2. Es muss für Außenstehende schon komisch ausgesehen haben... Aber das war mir alles egal. Ich entschied mich für die Position 2, weil ich den Triebwerksstart sehen und hören wollte. Hören deshalb, weil ein TriStar einen unvergleichlichen Sound beim Triebwerkstart hat. Beschreiben kann man ihn mit einem dumpfen, immer heller werdenden Brummen, aber man muss es einfach selbst gehört haben.

 


Detailaufnahme des Hecks - Die Star Air Sterne sind überklebt

 
Mit einigen Schwierigkeiten wurden jedenfalls dann die Triebwerke gestartet mit herrlichem Sound (nur die üblichen weißen Rauchwolken blieben aus). Der Flieger sollte eigentlich zurückgepusht werden, aber es gab damit Probleme, weil die Bremsen eingerostet waren. Daher musste der TriStar dann selbst wegrollen. Dies gelang aber erst nach mehreren heftigen Schubstößen, was beeindruckend aussah und sich auch gut anhörte... Der TriStar fuhr dann einen Meter und stand sofort wieder auf einen Schlag, weil die Bremsen wieder blockierten. Dies wiederholte sich nach ca. fünf Metern noch mal. Dann aber konnte er von seiner Position abdrehen, wo es ziemlich eng herging. (Deswegen wäre er ja gepusht worden) Er rollte bei uns Spottern vorbei und wir winkten den Piloten, was der Copilot dann auch erwiderte. Mein Lieblingsflugzeug rollte da also nun auf dem Taxiway Richtung Runway 34 um Salzburg wieder zu verlassen Richtung Abu Dhabi. Traurig, traurig... Am Holdingpoint Fox angekommen drehte er dann auch zügig auf die Runway ein, die Piloten gaben nach ca. 10 Sekunden auch schon Gas und der TriStar beschleunigte. (Ich filmte den Start komplett und verzichtete auf Bilder). Nach ca. 2200 Metern erhob er sich dann in die Luft und unendlich traurig sah ich ihm noch nach bis er nicht mehr zu sehen war. Sein Callsign war „Starjet 001“ und jeder von uns wusste, dass er nie wieder kommt, da Starjet nichts anderes war, als die Star Air nur jetzt mit Sitz in den VAE. Ein Abenteuer war zu Ende....
 
 
Letzte Vorbereitungen für den Flug nach Abu Dhabi Start nach Abu Dhabi Bye-bye
 
  
Mein Dank gilt an dieser Stelle Stephan Weidenhiller für die Infos, ohne die ich Landung und Start nicht gesehen hätte! Auch Alexander Bruckbauer danke ich hiermit für sein Bild des startenden TriStar´s, wo ich ja gefilmt hatte und auf Bilder verzichtete.