39°40'N 31°07'W - Europas kleinster Flughafen in Amerika
    
Stephan Weidenhiller, 05/10/2006
   
 

Wenige zivile Flughäfen der Welt können von sich behaupten, dass sie sowohl amerikanisch als auch europäisch sind. Der Flughafen der Azoreninsel Corvo ist Europas zweit westlichster Flughafen und zugleich auch Amerikas östlichster. Wie geht das? 
 
Politisch und kulturell gehört das kleine Azoreneiland, welches 1896 km westlich von Lissabon gelegen ist, noch zu Portugal, doch es liegt bereits wenige Kilometer auf der „Amerikanischen Platte“. Zwischen der Zentralgruppe der Azoren und der westlichen Inselgruppe (Flores und Corvo) verläuft die tektonische Plattengrenze: Während die zentrale Inselgruppe (u.a. Faial und Terceira) noch auf der Eurasischen Platte zu finden sind, sind Corvo und Flores bereits auf der tektonischen Platte Amerikas anzutreffen. Aus Salzburger Sicht liegt Corvo auch schon näher an New York (3601km) als an der Mozartstadt (3614km):

 


3mal pro Woche verbindet die einzige
Dornier Do228 der SATA, die CS-TGO,
Corvo mit Horta und Flores


Luftaufnahme des Flughafens Corvo und des
Hauptortes Villa Nova do Corvo.

 


So präsentiert sich der Flughafen von Corvo seinen ankommenden Passagieren
 
 
 
 


"Kiss and fly" Bereich &
Haupteingang des Flughafens
 
 


Innenansicht des Flughafens:
Rechts: Ankunft- bzw. Abfluggate;
Mitte Gepäckausgabe,
Links: Check-In und Ticketverkauf.

 

Seit 1993 besitzt Corvo einen der kleinsten kommerziellen Flughäfen der Erde. Geschätzte 8000 – 8500 Passagiere nutzen den kleinen Flughafen jährlich. Dabei ist der Flughafen nur an drei Tagen der Woche im Betrieb. Bei unserer Reise im September wurde der Flughafen jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag zum Nabel der Welt für die Insel und ihre 425 Einwohner. Geographisch gesehen ist Corvo dann auch Ausgangspunkt der einzigen bekannten interkontinentalen Linienstrecke, die mit Dornier Do228 durchgeführt wird.
 
An diesen Tagen füllt sich langsam das kleine ca. 13x13 Meter „große“ Terminal und man wartet auf die Landung der SATA Air Acores Dornier Do228 aus Horta (Insel Faial). Kurz vor Mittag landet dann die 18sitzige Maschine auf der 600m langen Start- und Landebahn, welche die Ausrichtung 12 – 30 auf der Kompassrose hat.
 
Nach Betreten des Terminals durch eine der vier Türen des Gebäudes, warten die Passagiere an der Nebentür auf ihr Gepäck. Vor allem der große Anteil an Sperrgepäck fällt auf: Wischmöpe, Fernseher und Küchenutensilien sind nur einige der vielen Haushaltsgerätschaften, die mit dem Flugzeug nach Corvo gebracht werden. Natürlich wird auch die Post mit dem Flugzeug auf die Insel gebracht.
 
Nach wenigen Minuten ist das Flugzeug bereit zum Weiterflug auf die größere Schwesterinsel Flores, die 24km bzw. 5,5 Flugminuten weiter südlicher liegt.
 
 


Blick auf die Startbahn 30. Links sieht man das
Vorfeld mit Terminal und Feuerwehrgarage.



Hauptattraktion Corvos ist die Caldeira:
Hier kurz nach dem Start.

Das Terminal ist einfach gestaltet aber nicht unmodern. Zwar sucht man hier aufwendige Fluginformationsbildschirme oder ein Gepäckausgabeband vergebens, aber dennoch gibt es hier z.B. einen 100% Computer Check-In. Die Türe für die ankommenden Passagiere ist die gleiche wie die für die abfliegenden. Auch auf die Sicherheitskontrolle bei den Passagieren wird auf Corvo verzichtet. Die 425 Inselbewohner kennen sich gegenseitig bestens und die restlichen Fluggäste wurden ja bereits beim Flug nach Corvo untersucht. Im Untergeschoss des Terminals befindet sich der Sitz der freiwilligen Feuerwehr Corvos. Doch der Flughafen verfügt über seine eigene Feuerwehr, die bei jeder Flugbewegung anwesend ist, um die maximale Sicherheit zu gewährleisten. Die Feuerwehr verfügt über kleines FLF-Fahrzeug das in einer Garage neben dem Terminal parkt.
 
Gelegen ist der Flughafen fast Mitten im Zentrum des „Inselhauptdorfes“ Vila Nova. Zu Fuß ist man in ca. 5 Minuten an der Kirche, dem Mittelpunkt der kleinsten Hauptstadt der Azoren. 
 
Am frühen Nachmittag wiederholt sich das Spektakel in die Gegenrichtung. Aus Flores kommt die gut gebuchte Do228 wieder nach Corvo zurück. Der Flug hat meist Umsteigepassagiere aus Ponta Delgada, der größten Stadt der Azoren und Tor zur Welt, dabei. 
 
Auch Umsteigepassagiere werden in Corvo bestens betreut. Wer von Flores nach Horta fliegen will, muss in Corvo das Flugzeug verlassen um nach ca. 15 Minuten wieder in das gleiche Flugzeug einzusteigen.  
 
Um 14:20 startet dann die Dornier Do 228 CS-TGO der SATA Air Acores zu ihrem Interkontinentalflug zum 244km östlich gelegenen Flughafen der Insel Faial, dem Flughafen Horta. Nach dem Start kehrt am kleinen aber feinen Flughafen von Corvo für mindestens 40 Stunden wieder Ruhe ein.
 
Es wird interessant zu sehen, was mit dem Flughafen in Corvo passiert, wenn die Umflottung der SATA Air Acores beginnt. Derzeit evaluiert die Fluggesellschaft als Ersatz für die eine Do228 und ihre vier ATPs die ATR 42/72 oder die Dash 8 Familie. Doch keines der Flugzeuge kann von einer 600m langen Start und Landebahn operieren und Platz für eine Verlängerung ist an keinem der beiden Pistenenden da.