Tel Aviv Airport
    
René Posch, 07/11/2005
   
 


Tel Aviv gehört zu einem der interessantesten Flughäfen auf dem Streckennetz der AUA A320 Familie. Alleine der Anflug ist aus Pilotensicht eine Reise dorthin wert, außerdem ist der Verkehr zu den Spitzenzeiten recht dicht und ATC leistet gute Arbeit, was im Mittleren Osten nicht üblich ist. Der westliche, vor allem amerikanische Einfluss, ist am ganzen Flughafen zu spüren. Zu spüren bekommen die Passagiere das in erster Linie bei den Sicherheitskontrollen, die - wie man hört - von sehr streng, genau bis schikanös gehen. Es wird nichts dem Zufall überlassen, jedes Handgepäckstück wird erfasst und registriert, keine noch so ungefährliche Babynagelschere findet den Weg in die Passagierkabine eines Flugzeuges! Aber nun zurück zum interessanteren Teil, nämlich zum Flughafen Ben Gurion. Allerdings bleibt mir auch da ein Ausschweifer zur Sicherheitskontrolle nicht erspart, denn jedes Flugzeug, dass in den israelischen Luftraum einfliegt muss sich vor dem Frequenzwechsel beim so genannten "Tel Aviv Identification" melden und seine Position und Sqwak bekannt geben. Aus Westeuropa erfolgt dieser "call" ca. 180NM vor TLV. Bereits kurz darauf wird man (bezogen auf die Standardroute der AUA) von Larnaca Radar an Tel Aviv übergeben. Je nach Flughöhe, Gewicht und Wind beginnt der Sinkflug etwa 100 bis 120NM westlich von TLV, wobei man sagen kann, dass bereits im Sinkflug seitens ATC sehr gut für den Anflug auf Ben Gurion gestaffelt wird.
 


Anflug auf runway 30 in Tel Aviv. Am
Boden rollt eine zuvor angekommene
Lufthansa Boeing 747-400 zum Terminal


Das im November 2004 eröffnete Terminal 3
mit den drei Satteliten mit je acht Fingern.
 
 

Der AUA Flug OS 857 kommt meistens ziemlich zeitgleich mit einer LH B747-400 und einem Swiss A340-300, daher ist eine gute Staffelung wichtig. Der Flughafen TLV besitzt ein interessantes Pistenlayout. Drei Pisten sind in einer eigenwilligen Dreiecksform angeordnet, wobei praktisch nur die Pisten 08/26 (3687m) und 12/30 (3112m) verwendet werden, 03/21 (1780m) dient als Taxiway. Üblicherweise herrscht nachts Ostwind und unter tags Westwind. Es gibt ILS Anflüge auf die Pisten 12 und 26, wobei ATC versucht einen großteil des Verkehrs über das ILS 12 abzuwickeln, auch bei Rückenwind. Wird der Westwind zu stark (> 10kt) so erfolgen die Anflüge auf Piste 30 und da das ansteigende Gelände im Osten kein ILS zulässt (Störung des Signals!) wird "visual", also rein nach Sicht angeflogen. Auch in diesem Fall hat ATC die Situation super im Griff und staffelt exzellent. Der eine Flieger setzt auf, der nächste dreht gerade auf die Base. Übrigens, das "visual pattern" wird südlich des Platzes geflogen, also linksherum. Man kommt vom Meer in ca. 4000ft über den Stadtstrand (der Blick hinunter erinnert mich immer ein bisschen an die legendären "Eis am Stil" Filme :-), über dem OM der Piste 12 geht es dann nach Süden weg, um die Maschine in eine gute Position für den Sichtanflug zu bringen. Bei einem A321 bedeutet das Flaps 2, Gear down und ca. 1500ft wenn man sich "abeam" befindet, also querab der Pistenschwelle 30. Kurz vor dem Aufsetzen auf Piste 30 überfliegt man noch einige Hangars, die oft den (teils lebhaften) Wind vom Meer verwirbeln.
 
 Nach der Landung geht's dann gleich links von der Piste runter und nur einige hundert Meter zum modernen Terminal 3, auf dem eigentlich alle kommerziellen Flüge abgewickelt werden. Dieses Terminal wurde erst vor einem knappen Jahr, ich glaube im November 2004 eröffnet. Das zuvor verwendete Gebäude wirkte eher klein, eines internationalen Flughafens eher unwürdig, es gab nur Außenpositionen. Der neue Terminal weist drei Satelliten mit jeweils acht Fingergates auf so wie einige Außenpositionen. Bei Westwind erfolgt der Start auf Piste 26 wobei die Rollzeit vom Terminal 3 zum holding point mindestens 15 Minuten beträgt. Oft wird einem dann noch eine Militär Hercules vorgezogen. Das Militär hat einfach absolute Priorität in Israel! Der Start erfolgt dann südlich am Stadtzentrum vorbei über den Strand hinaus aufs Meer Richtung Zypern.
  
Nun noch zum Verkehr, den man in TLV erleben kann: Da wir meist nur eine knappe Stunde am Boden stehen kann ich hier natürlich nur einen kleinen Überblick geben, allerdings handelt es sich um die Stoßzeit was den europäischen Verkehr betrifft. Am frühen Nachmittag sind in TLV täglich zu sehen: AUA A321, Lufthansa B747-400, Swiss A340-300, British B767-300 (manchmal auch B777-200), Alitalia A321, Air France A320, Iberia A320. Weiters ist natürlich die gesamte El Al Flotte vertreten, sowie Arkia, Israir und Sun d'Or Maschinen zu sehen. Auch einige Schmankerl hab ich hin und wieder schon angetroffen, nämlich Transaero B747-200, Ethiopian B737-700 & B757-200... Das Frachtgeschäft blüht ebenfalls recht stark in TLV, am stärksten vertreten sind El Al und Cargo Airlines B747-200F, MNG Cargo A300BF, FedEx A310F. Auch sehr interessant sind die doch recht zahlreich vertretenen B707, die als Tanker oder Militärtransporter herumfliegen. Und ebenfalls zu erwähnen sind die Wartungsbetriebe am Flughafen Ben Gurion wodurch weiter interessante Visitors zu sehen sind, gerade im Anflug auf 30. Unlängst waren das ehemalige Maschinen von: Delta B767-200, Air Canada B747-400, Polar Cargo B747-200F,... Die meisten werden modifiziert für neue Kunden oder zu Frachtern umgerüstet. Und noch etwas: Solltet ihr mal dort unterwegs sein, so seid bitte vorsichtig mit dem Zücken einer Kamera, ich glaube die Israelis sehen das nicht so gern... :-) Soweit meine Eindrücke von Tel Aviv Ben Gurion! In diesem Sinne: SHALOM!


Eine Dash 7 der Arkia während des Rollens auf
einem der Rollwege