Linienflug in den Irak
    
René Posch, 22/02/2007
   
 

Austrian Airlines ist die erste westliche Airline, welche den Irak linienmäßig bedient. Es handelt sich dabei um die nordirakische Stadt Erbil bzw. Arbil. Erbil - mit über 9000 Jahren Geschichte eine der ältesten Städte der Welt - ist die Hauptstadt der autonomen Region Kurdistans, welche mit 80.000km² ca. die Größe Österreichs hat. Unter kurdischem Boden werden Ölreserven von ca. 45 Milliarden Barrel vermutet, was das 6.-größte Vorkommen darstellt.
 
Einige Fakten vorab zum Airport. Momentan ist in Erbil eine Piste (15/33) mit 2.900 x 30m aktiv, daran angeschlossen ein kleiner apron mit zwei kleinen aber modernen Abfertigungsgebäuden. Auf diesem Vorfeld haben ca. drei Maschinen der Größe A320/737 Platz, weiters gibt es noch eine Cargo Airport. Imposante Bauarbeiten finden im Westen des bestehenden Flughafens statt. Dort entsteht nämlich eine 5.000m lange Piste mit 80m breite. Also eine ganze Menge Beton! Sie liegt leicht schräg zur jetzigen Runway, geschätzte Pistenrichtung ca. 18/36. Daran anschließend entsteht ein neuer größerer apron sowie Abfertigungsgebäude. Erbil liegt auf 1.400ft über dem Meer, die Codes lauten EBL bzw. ORER.
 
Die AUA fliegt zur Zeit am Montag und Freitag mit A319 (manchmal A320) nach EBL, ab Sommerflugplan auch am Mittwoch. Flugzeiten (lokal):
OS 829 VIE - EBL 10:20 - 16:05
OS 830 EBL - VIE 17:00 - 19:05
 
 

Die Flugstrecke führt von VIE über Bratislava nach Ungarn und weiter durch rumänischen Luftraum Richtung Consanta. Danach über das Schwarze Meer nach Trabzon in der Nordost-Türkei. Weiter auf SE-Kurs über Erzurum und Siirt in den Irak. Über irakischem Boden sind dann noch ca. 150km zurückzulegen, um vorbei an Mosul nach Erbil zu gelangen. Im Grenzgebiet Türkei-Irak kommt es teilweise zu ATC Kommunikationsproblemen. Der Türke übergibt OS 829 kurz vor dem Grenzpunkt KABAN an KIRKUK Control, welcher von amerikanischen Controllern überwacht wird. Das merkt man gleich nach dem "initial call", auf dem eine Antwort in typischem "American English" folgt, von der man beim ersten mal ca. 30% versteht. Aber man gewöhnt sich ja bekanntlich an alles :-) Ein weiteres Problem in dieser Ecke des irakischen Luftraumes ist die Koordination des Sinkfluges. OS 829 "entert" irakischen Luftraum auf Airway UT37, welcher stark beflogen ist von Europa-Asien Flügen. Erst nach KABAN trennt sich der Flugweg von OS 829 vom airway Richtung Erbil Platz-VOR RER. Von KIRKUK Control bekommt man dann üblicherweise die Freigabe auf 12.000ft über den Platz, bevor man zu Erbil Tower wechselt, welcher wieder von lokalen irakischen Controllern betrieben wird. Die Kommunikation mit diesem funktioniert hervorragend, gutes Englisch und sehr kooperativ. Üblicherweise ist ILS 15 die bevorzugte Landerichtung. Um von 12.000ft über dem Flughafen mit normaler Sinkrate zum ILS kommt, fliegt man einen right hand baseturn - also Richtung Süden und somit genau über die Stadt - im konstanten descend auf 6.000ft, danach wieder über den Platz und entgegen dem ILS nach Nordwesten (Richtung Bergkette) mit weiterem Sinkflug auf 4.000ft. Anschließend noch ein left hand procedure turn, um auf das ILS 15 zu gelangen. Die Piste selbst ist wie eingangs erwähnt nur 30m breit, weshalb das Bild bei der Landung auch anders wirkt als auf unserem üblichen Streckennetz. Am Ende der Piste geht es direkt zum Apron, wo OS 829 schon von einer Menge Mitarbeiter aus Irak, sowie dem österreichischen Stationsleiter empfangen wird.
 
Das irakische Reinigungs- und Ladepersonal, welches sich um den AUA Flieger kümmert, wird aus Sicherheitsgründen namentlich registriert und zusätzlich kontrolliert. Der Flug nach Erbil wird von zwei Grenzpolizisten begleitet, welche bereits in Erbil die Dokumente der ausreisenden Passagiere prüfen, um Probleme bei der Einreise in Wien zu vermeiden. Die Abfertigung funktioniert grundsätzlich gut, einzig die Dokumentenkontrolle kann bei einem annährend vollen Flug zu Verzögerungen führen.
 
Der Start erfolgt bei nur schwachem Wind auf Piste 33. Nachdem Start geht es mit einer Rechtskurve wieder über das Platz VOR RER auf 12.000ft. Während dieser Kurve versucht man Kontakt mit KIRKUK aufzunehmen, welcher einem weitere Höhenfreigaben erteilt und auf Kurs nach KABAN schickt. Ab dort geht es "business as usual" zurück nach VIE.


Die Stadt Erbil aus der Luft
 

Endanflug auf die nur 30m breite runway 15 in Erbil

 
Noch kurz zum Verkehr in EBL: Neben OS bieten zur Zeit Airlines wie Royal Jordanian oder Iraqi Airways Linienflüge nach Erbil an. Bei meinen beiden Flügen sah ich einmal Flying Carpet 737-200 und einmal eine neutrale A6-registrierte 737-200.