2.586 Kilometer durch Namibia
    
Christian Osterer, 23/04/2013
   
 

Namibia, Hauptstadt Windhoek, ca. 2,2 Mio. Einwohner, 824.116 km² Fläche
 
Freudiger Erwartungen führt Flug OS131, an diesem Tag mit dem Airbus A319 OE-LDA durchgeführt, von Wien nach Frankfurt/Main. Dort steht bereits der A340-300 V5-NMF der staatlichen namibischen Fluggesellschaft Air Namibia für Flug SW286 am Gate. Das Flugzeug (Konstruktionsnummer 47) wurde 1994 an die französische Fluggesellschaft Air France ausgeliefert und gelangte über mehrere Besitzer, darunter zuletzt die deutsche Lufthansa, zur afrikanischen Airline. Die erst nach der Unabhängigkeit von Südafrika im Jahr 1991 gegründete Fluggesellschaft besitzt zwei A340-300 und neuerdings für regionale Strecken drei werksneue Airbus A319 und vier Embraer ERJ-135.

Die sichtlich in die Tage gekommene V5-NMF hebt exakt nach Plan um 20:10 von der Startbahn West (Piste 18) ab und beginnt den langsamen Steigflug um die 8.120 Kilometer lange Distanz zum internationalen Flughafen Hosea Kutako (3L-Code WDH) nahe der namibianischen Hauptstadt Windhoek sicher zurückzulegen.
 


A340-300, V5-NMF, nach der Ankunft in WDH
 

Lutherische Christuskirche in
der Hauptstadt Windhoek
(eröffnet 1910)
 
 

Der Flug SW286 verläuft ruhig und problemlos, sodass um 5:32 bei aufgehender Sonne auf Piste 26 des Flughafens Hosea Kutako gelandet werden kann. Der überschaubare Flughafen wurde 1964 eröffnet und besitzt lediglich ein Terminal, für die Einreise stehen maximal 5 Schalter zur Verfügung, sodass die Abfertigung der nahezu vollen Maschine einige Zeit in Anspruch nimmt.
 
 
Mit dem Erhalt des Visum für die kommenden 10 Tage beginnt die eigentliche Reise durch Namibia, welche am 17. April 2013 nach 2.586 Kilometer wieder am Flughafen Hosea Kutako enden wird.

 
Bereits am Weg zum Hotel kann eine erster Eindruck von der noch jungen Hauptstadt des Landes gewonnen werden. Die Stadt wurde unter deutschem Einfluss 1840 erstmals urkundlich erwähnt und 1890 neu gegründet. Die zahlreichen historischen Gebäude der Stadt tragen eindeutig deutschen Fingerabdruck. Als eine der Sehenswürdigkeiten gilt die lutherische Christuskirche, welche 1910 fertiggestellt wurde. In der letzten Zeit ergänzen jedoch auch viele moderne Gebäude das Stadtbild. Das während der Zeit der Apartheit entstandene Wohngebiet, der sogenannte Stadtteil Katutura, ist im nordwestlichen Teil der Stadt angesiedelt. Dieses ist von einfach gebauten Häusern und Wellblechhütten geprägt und beherbergt die arme Bevölkerungsschicht. Rund 70.000 Menschen leben hier. In Summe wohnen in Windhoek rund 350.000 Menschen, im Einzugsgebiet der Stadt ist jedoch rund ein Viertel der Bevölkerung Namibias zu Hause.

Angekommen im Hotel Windhoek Country Club südlich des Stadtflughafens Eros (ERS) vergisst man nahezu sich vor Augen zu halten, dass Namibia ein Dritte Welt Land ist und die Mehrheit der Menschen unter der Armutsgrenze leben.
 
 
Der Sonnenschein und die angenehm warme Temperatur von rund 28°C laden zu einem kleinen Abstecher in den Endanflug der Piste 01 des Flughafens Eros (3L-Code ERS) zu unternehmen und den anstrengenden Anreisetag ausklingen zu lassen. Der Flughafen Eros dient heute vorwiegend der General Aviation sowie Air Namibia für tägliche Flüge nach Ondangwa im Norden des Landes. Derzeit viermal die Woche wird auch Katima Mulilo und Rundu im Dreiecksflug mit Embraer ERJ-135 bedient. Die Piste 01/19 mit den Abmessungen 2.230x30m wird durch eine zweite Startbahn mit der Ausrichtung 09/27 ergänzt, welche jedoch kaum Verwendung findet.
 
 

 
Viehverladestation und Kameldornbaum mit
Nest des Siedelwebervogels
 
 
 


Felsformationen zwischen Rehoboth und Uis

 
Am Rand der Namib Wüste und im Etosha Nationalpark
kann eine einmalige Tierwelt beobachtet werden

Am Folgetag führt mich die Reise am Straßenweg von Windhoek Richtung Rehoboth, einem rund 100 Kilometer südlicher gelegenen Dorf. Zwar gibt es eine staatliche Eisenbahn mit einem Schienennetz von rund 2.200 Kilometern, doch stellt dies mangels Personenverkehr keine Alternative dar. Die Höchstgeschwindigkeit des nahezu ausschließlich dem Gütertransport vorbehaltenen Zugverkehrs beträgt lediglich 35km/h und ist somit selbst für den Transport von Massengütern sehr langsam. Auch abseits des Schienennetzes gibt es keinen öffentlichen Verkehr, auch nicht in der Hauptstadt Windhoek. Will man von A nach B, so ist man auf Taxis oder Fahrgemeinschaften angewiesen.
 
 
Von Rehoboth geht es auf der Schotterstraße M47 weiter in Richtung Südwesten. Das Ziel des heutigen Tages ist die Namib Desert Lodge am Rande des Naukluft-Gebirges und ist zugleich idealer Startpunkt in die Namib-Wüste.
 
 


  Sonnenuntergang auf Sanddünen in der
Namib-Wüste
 
 


Abendstimmung

 
 

Sandformationen
 
 
 

Der dritte Tag führt noch vor Sonnenaufgang in Richtung der Namib-Wüste. Der für namibische Verhältnisse kurze Weg von rund 120 Kilometern wird in gut zwei Stunden auf Schotterstraßen zurückgelegt. Am Eingang zum bekannten Sossusvlei liegt der gleichnamige Flugplatz, welcher für Fly-In-Safaris und Versorgungsflüge genutzt wird. Der heutige Plan sieht jedoch vor, den Sossusvlei vom Boden aus zu erkunden.
 

Der Name Sossusvlei stammt aus der Sprache der Nama und bedeutet "blinder Fluss" (Sossus) und Salz-Ton-Pfanne (Vlei). Die einmalige Landschaft entstand durch Versickern des Wassers des Tsauchab in den Sanddünen rund 60 Kilometer vor der Atlantikküste. Der vom Landesinneren mitgeschwemmte Lehm trocknete und bot den dort wachsenden Bäumen keine Überlebenschance. Die rund 800 Jahre alten Bäume stehen  noch heute erstarrt und aufgrund des trockenen Klimas gut konserviert im Sossusvlei. Die rotbraune Farbe der Sanddünen wird durch den hohen Gehalt an Eisendioxid verursacht.
 
 

 
Graslandschaft am Rande des
Naukluft-Gebirges
 
 

Hunderte abgestorbene Akazienbäume
stehen seit mehr als 800 Jahren im
Sossusvlei


Hunderte abgestorbene Akazienbäume stehen
seit mehr als 800 Jahren im Sossusvlei
 
  
 


Dünenlandschaft im Sossusvlei

 
 

Flussbett des Tsauchab am Rande des
Naukluft-Gebirges